Bundesverwaltungsgericht bestätigt GEZ-Gebühren für PCs

GEZ: Die nächste Runde bitte.
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat nach anderslautenden Entscheidungen verschiedener Vorinstanzen nun entschieden, daß für internetfähige PC Rundfunkgebühren zu zahlen sind, ungeachtet ihres konkreten Nutzungszwecks.

Die Rundfunkanstalten halten die Besitzer von internetfähigen PC für gebührenpflichtig, weil sich mit diesen Geräten Sendungen empfangen lassen, die mit sog. Livestream in das Internet eingespeist werden.

Kläger waren zwei Rechtsanwälte und ein Student, die in ihren Büros bzw. in der Wohnung kein angemeldetes Rundfunkgerät bereit hielten, aber dort jeweils internetfähige PC besaßen.

Das Gericht hat die Revisionen der drei Kläger gegen abschlägige Urteile der Vorinstanzen mit der Begründung zurückgewiesen, daß es sich bei internetfähigen PC handelt um Rundfunkempfangsgeräte i.S.d. Rundfunkgebührenstaatsvertrags handele. Folglich sei für das Entstehen der Gebührenpflicht allein der Umstand entscheidend, ob die Geräte zum Empfang bereit gehalten werden, nicht aber, ob der Inhaber tatsächlich Radio- bzw. Fernsehsendungen mit dem Rechner empfängt. Genausowenig ist es entscheidend, ob der PC mit dem Internet verbunden ist, wenn er technisch nur überhaupt dazu in der Lage ist.

Diese Regelung des Rundfunkgebührenstaatsvertrag verstößt nach Auffassung des Gerichts auch nicht gegen höherrangiges Recht und verletzt die Kläger auch nicht in ihrem Recht auf Freiheit der Information (Art. 5 Abs. 1 GG) und der Berufsausübung (Art. 12 Abs. 1 GG) oder den Gleichbehandlungsgrundsatz (Art. 3 Abs. 1 GG).

Zwar greife die Erhebung von Rundfunkgebühren für internetfähige PC in die Grundrechte der Kläger aus Art. 5 Abs. 1 und 12 Abs. 1 GG ein, indem sie die Rundfunkgebührenpflicht an die – jedenfalls auch – beruflichen und informatorischen Zwecken dienende Nutzung oder auch nur den Besitz der Rechner knüpfe. Dieser Eingriff sei jedoch gerechtfertigt durch die ebenfalls verfassungsrechtlich begründete Finanzierungsfunktion der Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Der Eingriff sei auch nicht unverhältnismäßig, sondern von der Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers gedeckt.

Der Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG verlangt für das Abgabenrecht, dass die Gebührenpflichtigen durch ein Gebührengesetz rechtlich und tatsächlich gleich belastet werden. Wird die Gleichheit im Belastungserfolg durch die rechtliche Gestaltung des Erhebungsverfahrens prinzipiell verfehlt, kann dies die Verfassungswidrigkeit der gesetzlichen Gebührengrundlage nach sich ziehen. Die Rundfunkanstalten können an der Gebührenpflichtigkeit von internetfähigen PC daher auf Dauer nur festhalten, wenn diese sich auch tatsächlich durchsetzen lässt. Insoweit wird der Gesetzgeber die Entwicklung zu beobachten haben.

Die Einbeziehung von Rechnern, die zwar nicht mit dem Internet verbunden sind, aber rein technisch dazu in der Lage wären, erscheint als allzu extensive Auslegung der Begriffstrias „zum Empfang bereithalten“. Der Streit um die Gebührenpflicht solcher Geräte wird sich indes sowieso alsbald erledigt haben, wenn ab 2013 die neue „Haushaltsgebühr“ greift. Damit dürfte das Thema dann  jedoch noch (längst) nicht vom Tisch sein und sich um Fragen wie „Aufkommensneutralität“ und „soziale Befreiungstatbestände“ munter weiterdrehen.

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 27. Oktober 2010, AZ:  6 C 12/09, 6 C 17/09 und 6 C 21/09

Vorinstanzen:
OVG Koblenz, 7 A 10959/08 – Urteil vom 12. März 2009 – VG Koblenz, 1 K 496/08.KO – Urteil vom 15. Juli 2008
OVG Münster, 8 A 732/09 – Urteil vom 26. Mai 2009 – VG Münster 7 K 744/08 – Urteil vom 27. Februar 2009
VGH München, 7 B 08.2922 – Urteil vom 19. Mai 2009 – VG Ansbach, AN 5 K 08.00348 – Urteil vom 10. Juli 2008

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